Viele Menschen investieren viel Zeit und Aufwand in ihre Morgen-Pflegeschritte, aber die Nachtpflege wird häufig unterschätzt. Doch gerade in den stillen Stunden, wenn wir schlafen, läuft in unserer Haut ein intensiver Heilungs- und Regenerationsprozess ab. Wer diesen optimal unterstützt, kann morgens mit sichtbar erholter, gesünderer Haut aufwachen. In diesem Beitrag erläutern wir, was nachts in der Haut passiert, welche Inhaltsstoffe sinnvoll sind, wie eine gute Routine aussehen kann – und worauf Sie beim Kauf von Produkten achten sollten.
Warum Sonnenschutz das beste Anti-Aging ist
1. Warum die Nachtpflege so wichtig ist
1.1 Haut im Reparaturmodus
Während des Tages ist unsere Haut primär damit beschäftigt, äußeren Reizen wie UV-Strahlung, Umweltverschmutzung oder Stress entgegenzuwirken. Abends jedoch schaltet sie in den „Wiederherstellungsmodus“. Die Hautbarriere wird repariert, Zell-Erneuerung und Kollagenproduktion steigen – und diese Phase sorgt dafür, dass Pflegestoffe besonders gut wirken können.
So zeigt etwa eine Studie: „Skin cell proliferation peaks during sleep, specifically between 11 PM and 4 AM.“
1.2 Unterschied zwischen Tages- und Nachtpflege
Tagsüber geht es darum, die Haut zu schützen – vor Sonne, freien Radikalen, Hitze oder Kälte. Abends dagegen ist der Schwerpunkt anders gelagert: Entfernung von Belastungen, Reparatur, Pflege mit aktiven Wirkstoffen, die tagsüber vielleicht gar nicht eingesetzt werden sollten (z. B. Retinol).
Die Haut ist nach Sonnen‐ und Umweltstress empfindlicher, die Barriere gestresst, weshalb eine gezielte Nachtpflege sinnvoll ist.
1.3 Bessere Wirkung aktiver Wirkstoffe
Nachts ist die Haut durchlässiger, und Wirkstoffe können tiefer eindringen. Wenn die Haut nicht gleichzeitig Umweltreizen ausgesetzt ist, arbeiten regenerierende Produkte effektiver.
Ein Beispiel: Ein Nachtcreme-Studie zeigte, dass die Anwendung über 12 Wochen Falten reduzieren und die Transepidermale Wasserverlustrate verbessern konnte.
2. Was passiert in der Haut in der Nacht?
2.1 Der zirkadiane Rhythmus der Haut
Unsere Haut folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus). Während des Abends und der Nacht verändern sich Stoffwechsel, Durchblutung und Zellaktivität. So wird z. B. die Durchblutung der Haut erhöht, was eine bessere Nährstoffversorgung ermöglicht.
Gleichzeitig nimmt die Barrierefunktion ab, was bedeutet: Die Haut ist empfänglicher, aber auch anfälliger.
2.2 Zellerneuerung, Kollagenbildung & Reparatur
In der Nacht steigt die Zellteilung, alte Zellen werden abgestoßen, neue gebildet. Zudem wird Kollagen (für Elastizität) produziert und die Haut repariert Schäden, die tagsüber entstanden sind – beispielsweise durch UV-Licht oder Umweltverschmutzung.
Ein Artikel nennt es „the skin’s night shift“: In dieser Zeit wird aktiv regeneriert.
2.3 Höherer Wasserverlust & erhöhter Bedarf an Schutz
Trotz Ruhephase verliert die Haut nachts Wasser (z. B. durch trockene Heizungsluft oder Klimaanlage) – der sogenannte transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt. Daher ist eine gute Feuchtigkeitsversorgung unabdingbar.
Auch die Hautbarriere ist in dieser Phase eher geschwächt.
3. Die richtige Nachtpflege – Schritt für Schritt
3.1 Reinigung (Cleanse)
Auch wenn man abends „nur“ müde ist: Eine gründliche Reinigung ist essenziell. Sie entfernt Make-up, Sonnenschutz, Retinolreste, Umweltschmutz und überschüssiges Öl – damit nachfolgende Pflege optimal wirken kann.
Tipp: Zwei-Phasen Reinigung (z. B. Ölreiniger + wasserlöslicher Reiniger) kann sinnvoll sein, besonders bei Make-up oder Sonnenschutz.
3.2 Wirkstoff-Behandlung (Serum / Behandlung)
Nach der Reinigung kann ein Serum oder ein Treatment eingesetzt werden, das gezielt abends wirkt:
- Retinol/Retinoide zur Falten‐ und Zellerneuerung
- Niacinamid, Peptide zur Barrierestärkung oder Pigmentreduktion
- Antioxidantien zur Reparatur von Tagschäden
– Diese Wirkstoffe entfalten nachts oft ihre volle Wirkung, da keine Sonnenlicht-Fotosensibilität vorliegt bzw. keine UV-Belastung.
Wichtig: Bei sensibler Haut oder Erstnutzung mit geringerer Konzentration starten.
3.3 Intensive Feuchtigkeit & Pflege (Moisturize)
Nach Wirkstoffen kommt die reichhaltige Pflege: Nachtcreme oder -gel mit feuchtigkeitsspendenden und barrierestärkenden Inhaltsstoffen. Ziel ist es, TEWL zu reduzieren, die Regeneration zu unterstützen und die Haut über Nacht optimal versorgt zu halten.
Beispiel: In einer Studie senkte eine Nachtcreme mit Melatonin & Carnosin die TEWL-Werte und reduzierte Falten.
3.4 Spezielle Pflege für Problemzonen
Je nach Hauttyp können zusätzliche Schritte sinnvoll sein:
- Augencreme (Augenpartie regeneriert anders)
- Lippen- oder Hals-/Dekolletépflege
- Gelegentliche Maske oder Pflege nach Peeling
Diese ergänzen die Basisroutine und adressieren gezielt Schwachstellen.
3.5 Regelmäßigkeit & Anpassung
Eine Nachtpflege bringt nur dann Wirkung, wenn sie regelmäßig angewendet wird – idealerweise jeden Abend. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Routine an Hauttyp, Hautzustand und Jahreszeit anzupassen (z. B. reichhaltiger im Winter).
Übertreiben sollten Sie es jedoch nicht: Zu häufige Anwendung stark wirksamer Inhaltsstoffe kann die Hautbarriere überfordern.
4. Welche Inhaltsstoffe wirken nachweislich nachts?
4.1 Retinol/Retinoide
Retinol zählt zu den am besten untersuchten Anti-Aging-Wirkstoffen: Er beschleunigt Zellumsatz, fördert Kollagenbildung und mindert Falten. Da Retinol lichtempfindlich ist und die Haut anfälliger macht, ist die Anwendung nachts optimal.
4.2 Peptide & Anti-Oxidantien
Peptide unterstützen den Hautaufbau durch Stimulierung von Kollagen und Elastin. Eine Studie zeigte etwa, dass eine Nachtcreme mit Melatonin + Carnosin die Faltenanzahl um bis zu 18,9 % reduzieren konnte.
Antioxidantien helfen dabei, tagsüber entstandene freie Radikale zu neutralisieren.
4.3 Hyaluronsäure & Ceramide
Hyaluronsäure bindet erheblich Wasser und sorgt für pralle Haut; Ceramide helfen, die Hautbarriere zu stärken – insbesondere wichtig in der Nacht, wenn die Haut vermehrt Wasser verliert.
4.4 Wirkstoffe mit spezialisierter Wirkung
Zum Beispiel Inhaltsstoffe wie Melatonin zur freien Radikal-Abwehr, Carnosin zur Glykierungshemmung, Niacinamid zur Barrierestärkung, Azelainsäure oder Niacinamid zur Pigmentminderung – ideal für gezielte Nachtpflegeanwendungen. Die Studie zur Nachtcreme mit Melatonin zeigte deutlich messbare Verbesserungen.
5. Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Überspringen der Reinigung: Verhindert wirksame Aufnahme von Wirkstoffen.
- Tagsüber dieselben Produkte wie nachts verwenden: Tagsüber braucht die Haut vor allem Schutz, nachts Regeneration.
- Zu viele starke Wirkstoffe gleichzeitig: Kann zu Reizungen führen. Besser ist eine moderate Schritt-Kindergarten-Routine.
- Unregelmäßigkeit: Eine sporadische Nachtpflege ersetzt keine kontinuierliche Routine.
- Unangepasste Produkte: Hauttyp, Jahreszeit oder Hautzustand ignorieren. Beispiel: Im Winter braucht die Haut oft reichhaltigere Pflege.
6. Beispiel-Routine für die Nacht
Hier eine beispielhafte Nachtpflege-Routine, die sich leicht anpassen lässt:
- Reinigung: Ölfreier Reiniger oder Mizellenwasser → danach milder Schaum-Reiniger
- Toner oder leichtes Gesichtswasser (optional)
- Wirkstoff-Serum (z. B. Retinol abends, an anderen Abenden Niacinamid oder Antioxidans)
- Spezielle Pflege (z. B. Augencreme)
- Nachtcreme mit feuchtigkeitsspendenden und barrierestärkenden Inhaltsstoffen
- Optional: Zwei- bis dreimal pro Woche eine Maske oder intensivere Pflege zur Regeneration
Mit dieser Struktur decken Sie Reinigung, Behandlung und Pflege ab — genau abgestimmt auf die Nachtphase.
Die Nachtpflege ist kein optionaler Luxus – sie ist eine essenzielle Phase, in der Ihre Haut tagtäglich arbeitet, repariert, regeneriert und vorbereitet für einen neuen Tag. Wer dieses Potenzial nutzt – mit gezielten Wirkstoffen, konsistenter Routine und angepasster Pflege –, kann sichtbare Verbesserungen erzielen: weniger Falten, bessere Elastizität, gleichmäßigere Hautoberfläche und gesündere Hautbarriere.
